50 Jahre - Besondere Momente und Erinnerungen

Ruedi Lanter, Patrik Lanter, Roman Stadler | © NeoVac

Patrik Lanter, Rudolf Lanter und Roman Stadler schauen zurück und erzählen von Höhepunkten und Erinnerungen aus 50 Jahren Geschäftstätigkeit.

Sie beschreiben, wie der Gründer Rudolf Lanter senior sie geprägt hat, und wie sie als Trio zusammenarbeiten und NeoVac voranbringen wollen.

Welche Momente kommen euch in den Sinn, wenn ihr an die 50 Jahre zurückdenkt?

Patrik Lanter: Ich denke da zum Beispiel an die raumhohen Stapel von Ablesequittungen, welche noch Anfang der 1990er Jahre in unseren Servicezentren sortiert und bereitgestellt wurden. Mit diesen gingen dann die Ableser in die Wohnungen, um die Zählerstände zu notieren. Ein gigantischer Aufwand mit vielen möglichen Fehlerquellen. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Heute geht das papierlos, digital und Wohnungen müssen kaum mehr betreten werden.

Ruedi Lanter: Bleibende Momente gab es viele, dazu zählen Gesetzesänderungen mit Liberalisierungen und Privatisierungen, Firmenkäufe wie ATA und Talimex, der Sanierungsfortschritt bei Tankanlagen, Einkäufe von Servicepotenzial, gesellige Firmenanlässe, die Zertifizierung nach ISO 9001 und 14001, die Abschaffung des HKV-Obligatoriums, der Sandoz-Unfall und vieles mehr.

Roman Stadler: Ich durfte den ersten PC in der NeoVac bestellen, ein NCR PC8 für 10’000 Franken mit 20 Megabyte Festplatte, heute würde man damit nicht mehr weit kommen. Mit Mitte Zwanzig wurde mir von Ruedi senior viel Vertrauen geschenkt, er liess mich «machen». Als ich 1987 eintrat, hatte das Unternehmen rund 50 Mitarbeitende. Man kannte alle persönlich und wusste, wer was arbeitet. Heute ist dies mit mehr als 400 Mitarbeitenden schwieriger. Vertrauen zu schenken ist deshalb wichtiger denn je.

Der Weg zum Marktleader

Gab es Momente, in denen ihr schnell entscheiden musstet, um eine Chance am Schopf zu packen?

Patrik Lanter: Eigentlich wurde immer schnell entschieden. Sei es bei neuen Leistungen, Akquisitionen oder organisatorischen Massnahmen. Geschwindigkeit ist im Unternehmertum ein wichtiger Erfolgsfaktor. 

Ruedi Lanter: Sozusagen immer, wenn es darum ging, etwas zu kaufen oder zu investieren: Firmen, Services und so weiter. Kurze Entscheidungswege bringen uns Vorteile am Markt.

Roman Stadler: Schnelle Entscheidungen waren auch in meinem Bereich der Liegenschaften bei Neu- und Umbauten immer gefragt. Wer schon einmal gebaut hat, weiss wovon ich spreche.

Welche Chancen und Entscheidungen haben die Entwicklung des Unternehmens massgeblich beeinflusst?

Patrik Lanter: Besonders bedeutend waren der Einstieg 1981 in die Wärmemessbranche, die Übernahme der ATA Wärmezähler AG und die Weiterentwicklung des Geschäfts trotz Schwächung der gesetzlichen Rahmenbedingungen. Auch die Akquisitionsstrategie der NeoVac AG mit der Übernahme der Talimex AG im Jahre 2012 und dem Zukauf vonServicemandaten war sehr bedeutend für unsere Gruppe. 

Ruedi Lanter: Nebst der Gründung der Wärmemess AG haben sicher auch die Einführung neuer Produkte und Dienstleistungen wie Löschwasserund Hochwasserschutz-Barrieren, das eigene Ausführen von Tankrevisionen, die Konfektion von Folien für Innenhüllen und Tankraumauskleidungen, die Nachfrage nach Notstromversorgungen für Spitäler oder Datenzentralen, die aktuell nur mit fossiler Energie zuverlässig funktionieren, sowie Vollserviceverträge unsere Entwicklung geprägt.

Roman Stadler: Entscheidend war auch, dass Ruedi senior an der NeoVac Wärmemess AG und späteren NeoVac ATA AG festgehalten hat. Ihm wurde vom Treuhänder geraten, dieses Geschäft wieder aufzugeben.

«Es war ein besonderes Gefühl, als die Hypothek abbezahlt war.»

Roman Stadler

Welche Grundwerte hat Rudolf Lanter senior gelebt?

Patrik Lanter: Er hat sich stark auf sein Bauchgefühl verlassen. Denn er hatte einen natürlichen Instinkt fürs Geschäft und für Markttrends. Anschliessende Abklärungen und Recherchen bestätigten letztlich, was er schon zu Beginn im Gefühl hatte.

Ruedi Lanter: Absolut, unser Vater war ein Bauchmensch, sehr grosszügig und respektvoll. Die Familie kam immer an erster Stelle, und er scheute sich nicht, anderen Verantwortung zu übertragen.

Roman Stadler: Wenn jemand ein Problem hatte, ging er hin und half. Er hatte einen ausgeprägten Familiensinn und pflegte eine Hilfsbereitschaft weit über den engeren Kreis hinaus.

Wie seid ihr in das Unternehmen hineingewachsen?

Patrik Lanter: Von der Pike auf. Direkt nach der Elektrikerlehre bin ich 1991 in unsere damalige NeoVac Wärmetechnik AG  eingestiegen. Parallel zu den Weiterbildungen habe ich danach die Tankstellenbauabteilung der NeoVac AG und danach  die Serviceabteilung der NeoVac Wärmemess AG geleitet, bis ich 1998 deren Geschäftsleitung übernehmen durfte. Seit 2005 bin ich CEO der NeoVac Gruppe. 

Ruedi Lanter: Ich war immer irgendwie dabei, schon in jungen Jahren. Während den Schulferien als Helfer auf Montage oder bei Tankrevisionen, später habe ich mich bei meiner Diplomarbeit an der Fachhochschule mit dem Lohnwesen bei NeoVac befasst und die Prüfung zum Tankrevisor mit eidgenössischem Fachausweis absolviert.


Roman Stadler: Zu NeoVac gekommen bin ich über meine heutige Frau Béatrice, Ruedis und Patriks Schwester. Ich komme aus der Verwaltung, habe dann in die Privatwirtschaft gewechselt und mich um verschiedenste Bereiche gekümmert: Einkauf für die NeoVac AG, Produktion, Versicherungen, Controlling, Liegenschaften, Finanzen, Fahrzeuge und die IT beziehungsweise ICT.

Was verbindet ihr mit dem Standort Oberriet, wo sich der Hauptsitz von NeoVac befindet?

Patrik Lanter: Hier ist mein Arbeitsort seit dem Schulabschluss. Erst war ich in der Lehre bei der Kolb Elektro AG und dann kam ich zu NeoVac. 

Ruedi Lanter: Oberriet ist ein bisschen wie meine zweite Heimat. Einerseits ist die Firma hier, andererseits das «Haus zur Eintracht», wo wir schon Hochzeiten, Taufen und vieles mehr gefeiert haben.

Roman Stadler: Seit 34 Jahren ist es auch mein Arbeitsort. Das Restaurant «Haus zur Eintracht» war immer eine Herzensangelegenheit von Ruedi senior und verbinde auch ich mit vielen schönen Erinnerungen.

«Unsere Mitarbeitenden
sind unsere wichtigste
Ressource.»

Patrik Lanter

An welche speziellen oder prägenden Momente erinnert ihr euch?

Ruedi Lanter: Ich erinnere mich an Verhandlungen mit dem Bundesamt für Umwelt wegen der Verlängerung der gesetzlichen Serviceintervalle, an Ballontaufen, an das 25-Jahr-Jubiläum, Sanierungen auf dem Jungfraujoch, das Verbot der Vollvakuum-Leckanzeiger – unseres Urprodukts! – und die darauffolgende Sanierung aller davon betroffenen Anlagen von 2009 bis 2014. Und natürlich erinnere ich mich auch an besondere Gross- und Folgeaufträge wie beispielsweise für Holcim Eclépens, Usine de Pierre de Plan oder das Tanklager in Sennwald.

Roman Stadler: Zwar eine nüchterne Finanzbetrachtung, aber für mich ein emotionaler Moment: Am 18. Dezember 2006 hatten wir unsere Hypothek für die Liegenschaft am Hauptsitz abbezahlt. Ein tolles Gefühl, am Morgen auf das Grundstück zu fahren und zu wissen, dass es nun uns gehört und nicht mehr der Bank!

Wie identifiziert ihr euch mit NeoVac?

Patrik Lanter: Am Mittagstisch war NeoVac natürlich häufig ein Thema. Mein Vater als Vollblutunternehmer war dabei stets leidenschaftlich bei der Sache. Das wirkte auf mich spannend und interessant. Für mich war immer klar, dass ich in der NeoVac arbeiten werde.

Ruedi Lanter: Das Ganze Denken dreht sich seit Jahrzehnten um NeoVac, im Geschäft und auch im Privaten. Man lebt intensiv mit, ist mittendrin und sorgt sich über mögliche Folgen von Änderungen der Rahmenbedingungen, bevor sie überhaupt spruchreif sind.

Roman Stadler: Die NeoVac ist meine Familie – seit 34 Jahren.

Wie arbeitet ihr zusammen, wenn ihr euch auf neues Terrain begebt, verrückte Ideen habt oder Innovationen prüft?

Patrik Lanter: Wir wägen Chancen und Risiken zusammen ab. Ich bin bei neuen Ideen sehr impulsiv und ungeduldig. Ruedi ist da etwas besonnener, und Roman hat die Ressourcen im Auge. Das hat sich zum Beispiel beim Fusionsprojekt mit der ATA Wärmezähler AG sehr schön gezeigt. Letztlich haben wir eine konstruktive «Streitkultur», die solide Entscheidungen ermöglicht.

Ruedi Lanter: Wir sind eigentlich nie verrückt, meist wohl fast langweilig sachlich, die Emotionalität unseres Vaters haben wir nicht in seinem Masse geerbt. Wir klären sorgfältig ab, je nach Gebiet macht einer die Terrainerkundung, danach evaluieren und entscheiden wir gemeinsam.

Roman Stadler: Ich bin der Zahlenmensch, Realist und wenig emotional. Aber ich denke, eine gute Ergänzung zu Patrik und Ruedi – im Team funktioniert es bestens. Meine Expertise ist gefragt, sobald es um Ressourcen, Finanzierung oder Infrastruktur geht, und das tut es bei praktisch jeder grösseren Entscheidung.

«Kurze Entscheidungswege
bringen uns
Vorteile am Markt.»

Ruedi Lanter

Was hat Rudolf Lanter senior euch mit auf den Weg gegeben?

Patrik Lanter: Dinge anzupacken anstatt lange zu «zerdenken». Und flexibel bleiben. Er war nie zu stolz, um seinen Kurs anzupassen, wenn nötig. 

Ruedi Lanter: Wiederum seine Grosszügigkeit, den Respekt vor anderen Menschen und seinen ausgeprägten Familiensinn.

Roman Stadler: Alle Mitarbeitenden zu achten und ihre Arbeit wertzuschätzen.

Welche Haltung pflegt ihr gegenüber den Mitarbeitenden von NeoVac?

Patrik Lanter: Unsere Mitarbeitenden sind unsere wichtigste Ressource – als Dienstleistungsunternehmen sind wir uns dessen voll und ganz bewusst. Wir vertrauen jedem und jeder Mitarbeitenden und fördern möglichst selbständiges Arbeiten. Wird das missbraucht, handeln wir rasch. Damit pflegen wir eine berechenbare Unternehmenskultur.

Ruedi Lanter: Wir lassen unseren Mitarbeitenden viele Freiräume, erwarten aber auch viel. Allgemein pflegen wir einen wertschätzenden, kooperativen Führungsstil und eine offene Diskussionskultur.

Roman Stadler: Genau, wir haben eine vertrauensvolle Haltung, sind offen und ehrlich. Und wenn es zusätzliche Infrastruktur braucht, um die Arbeit professionell zu verrichten, dann finden wir Möglichkeiten.

Was bedeutet für euch «Making energy smarter»?

Patrik Lanter: Dass wir uns mit intelligenten Lösungen für eine nachhaltige und sichere Energienutzung einsetzen. Das ist der Kern unserer Firmenphilosophie.

Ruedi Lanter: Der neue Claim steht dafür, dass wir flüssige Energie umweltsicher lagern und transportieren, sei sie nun fossiler oder synthetischer Natur. Aber auch, dass wir mit unseren Leistungen helfen, den CO2-Ausstoss zu verringern, und Bewohnenden smarte Mittel an die Hand geben zur Kontrolle ihres Energieverbrauchs. All das bedingt, dass wir ein Maximum an Interpretation der Daten aus unseren Geräten liefern.

Roman Stadler: Der Begriff Energie wird greifbar und transparent. Die neue Kommunikationsstrategie macht unsere immer komplexer werdenden Produkte und Leistungen verständlich. Damit holen wir unsere Kundinnen und Kunden ab, sodass
auch sie ihren Beitrag zur smarten Energie leisten können.

Die Megatrends

Was ist euer Ziel für die nächsten 25 Jahre?

Patrik Lanter: Dass wir unser Unternehmen genau nach dem Motto «Making energy smarter» weiterentwickeln. Und natürlich, dass wir das Unternehmen erfolgreich in die dritte Generation führen.

Ruedi Lanter: In 25 Jahren bin ich 84 und hoffe, dass ich dann noch bei der 75-Jahr-Feier einer erfolgreichen NeoVac dabei sein kann. Solange es möglich und sinnvoll ist, werde ich mich weiterhin für die nachhaltige Entwicklung unseres Unternehmens einsetzen.

Roman Stadler: Die nächste Generation gut einzuführen, die Nachfolgeplanung gut aufgleisen. Aber 25 Jahre sollte ich dafür nicht mehr benötigen – ich bin bald 60 Jahre alt (lacht).