Auf Kurs im Datenmeer
NeoVac-Datenanalystin Katharina Stallinger weiss, wie man den richtigen Kurs hält: Ob Mastbruch, Seekrankheit oder Wettkampffieber – auch bei Gegenwind lässt sie sich nicht vom Kurs abbringen. Im Interview spricht sie darüber, wie sie Rückschläge gelassen meistert, warum Segeln für sie mehr als ein Hobby ist und welche Lebensweisheit sie dabei begleitet.
Welcher Segelgruss ist dein Favorit: «Ahoi!», «Mast- und Schotbruch!» oder «Handbreit Wasser unterm Kiel»?
Am liebsten Ahoi – mein Schiff hat keinen Kiel und das mit dem Mastbruch ist seit einer Weile ein etwas sensibles Thema. Aber dazu später mehr …
Erinnerst du dich noch an deinen allerersten Moment auf einem Segelboot?
Ich bin schon als Kind mit meinen Eltern auf einem Segelboot gewesen. Wir wohnten jedoch weit weg von segelbaren Gewässern, daher bin ich als Kind kaum selbst gesegelt. Ich habe während des Studiums einige Segelkurse auf Jollen (kleine Boote ohne Kiel) gemacht. Richtig gepackt hat es mich erst hier am Bodensee, als ich einen Verein mit aktiver Jollengruppe gefunden habe. Seither habe ich auch ein eigenes Böötli. Dieses liegt bei Nichtgebrauch an Land auf dem Trockenen, da ist es auch kein grosses Problem, einen Liegeplatz zu finden.
Was fasziniert dich am Segeln?
Mich fasziniert, wie die Kräfte beim Segeln zusammenwirken. Eine kleine Änderung an der Segeleinstellung und plötzlich ist das Schiff viel schneller. Oder ein Fehler und man liegt im Wasser. Zudem gefällt mir, dass man mit der Natur interagiert. Man kann den Wind nutzen, aber er fordert auch einen gesunden Respekt ein.
Gibt es ein Segelerlebnis, an das du immer wieder gern zurückdenkst?
Als ich das erste Mal auf einem Sportkatamaran mitgesegelt bin, habe ich eine völlig andere Art des Segelns kennengelernt. Wenn man im Trapez* steht und der Gennaker* oben ist, jagt der Katamaran so schnell über das Wasser, dass es sich fast wie Fliegen anfühlt. Für mich immer noch ein tolles Gefühl!
Manchmal läuft nicht alles glatt. Gab es bei dir auch mal ein Missgeschick auf See?
Es kann immer zu Fehlern beim Segeln oder auch zu Materialschäden kommen. Bei meiner bisher grössten Regatta, den Weltmeisterschaften dieser Bootsklasse, ist uns in den Niederlanden bei viel Wind und voller Fahrt der Mast gebrochen. Das war überaus deprimierend – wir mussten den ganzen Weg zurück an Land geschleppt werden und dachten, die Regatta sei für uns vorbei. Dank der Hilfe aus der Seglergemeinschaft und mit viel Einsatz bis in den späten Abend und am frühen Morgen haben wir es zum Glück geschafft, nur zwei von zwölf Läufen zu verpassen. Auch das gehört zum Segeln, wieder aufzustehen und weiterzumachen, selbst wenn es in dem Moment
schwerfällt.
Was war dein grösster seglerischer Erfolg bisher – und was bedeutet dir dieser sportliche Wettkampf persönlich?
Die Teilnahme an der Weltmeisterschaft war ein Fernziel, auf das wir das ganze Jahr über hingearbeitet haben und das mich enorm motiviert hat. Nach dem Mast-Zwischenfall war dann eine
andere grosse Katamaran-Regatta in Südfrankreich erfolgreicher. Dort haben wir es bei über 70 Booten auf den 2. Platz in der Klassenwertung und den 6. Platz im Gesamt-Ranking geschafft.
Wenn der Wellengang stärker wird: Wie gehst du mit Seekrankheit um?
Ich werde tatsächlich ab und zu seekrank – zuletzt gerade am Meer, bei viel Wellengang und wenig Wind. Dann hilft es mir, aufzustehen, die Bewegungen des Schiffs aktiv auszugleichen und den Blick, wenn möglich, auf den Horizont zu richten. Bei Regatten ist mir das zum Glück noch nie passiert – wahrscheinlich, weil die Anspannung und der Fokus alles überlagern.
Wenn du dir deinen Traumtörn aussuchen könntest: Wohin würde dich der Wind tragen?
Ich würde sehr gerne einmal im Südpazifik segeln – rund um Fidschi, die Cook-Inseln oder Französisch-Polynesien.
Du arbeitest bei NeoVac als Datenanalystin. Welche Gemeinsamkeiten siehst du zwischen dem Segeln und der Arbeit mit Daten?
Auf dem Boot ist nichts Zufall und es gibt keine Abkürzungen. Wenn etwas nicht funktioniert, muss man herausfinden, woran es liegt. Es gibt immer eine Lösung, ob technisch oder seglerisch. Bei den Daten ist es ähnlich: Wenn zum Beispiel die ZEV-Bilanz nicht stimmt, suche ich – natürlich auch mit Hilfe meiner Teamkolleginnen und -kollegen und der NeoVac-Technikerinnen und -Techniker vor Ort – so lange, bis es aufgeht. Eine gute Crew, also ein starkes Team, ist sehr wichtig. Ohne gegenseitige Unterstützung geht es weder auf dem Wasser noch im Büro.
Was können wir alle vom Segeln lernen, was auch im Alltag oder im Job hilfreich ist?
Ein Satz, der wohl schon auf Aristoteles zurückgeht: Man kann den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.
* Trapez: Drahtseil, das oben am Mast befestigt ist und in das man sich mit einem Haken einklinkt, um ausserhalb des Bootes stehen zu können.
* Gennaker: Grosses, bauchiges Vorsegel für bestimmte Windkurse.
Wir suchen engagierte Macherinnen und Macher – Menschen wie dich.